Alaska / Kanada Traumurlaub Tag 1

Von Anchorage nach Suton, (Alaska) 130km/7Std.

28.06.1994


Tag 1: Anchorage - Suton

Tag 2: Suton - Eureka Lodge

Tag 3: Eureka Lodge - Gakoma Lodge

Tag 4: Gakoma Lodge - Mentasta Lake

Tag 5: Mentasta Lake - Tok

Tag 6: Tok - Beaver Creek

Tag 7: Beaver Creek - Withe River

Tag 8: Withe River - Destruction Bay

Tag 9:  Destruction Bay - Haines J.

Tag 10: Haines Junction - Withehorse

Tag 11: Withehorse - Spirit Lake

 

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Ausrüstung

Tag 12+13: Spirit Lake - Skagway

Tag 14: Skagway

Tag 15: Skagway + Fähre

Tag 16: Fähre

Tag 17: Fähre - Bellingham

Tag 18: Surrey - Vancouver

Tag 19: Vancouver

Tag 20: Vancouver

Tag 21: Vancouver

Tag 22: Frankfurt - Mainz

Tag 23: Mainz - Köln

 

  


Schon am ersten Tag unserer Reise sollten wir unsere Strecke nicht einhalten können.

Nachdem wir morgens auf dem Camp Ground ausgiebig gefrühstückt hatten, unsere sieben Sachen zusammen gepackt und verstaut waren, ging es auch schon los. Paul und Chris waren schon zwei Tage in Anchorage, so das Chris vor fuhr und wir hinterher. Wir radelten gemütlich die No.1 entlang, so das ich das Tempo gut mithalten konnte. Chris ließ es langsam angehen. Paul wusste von meinem Unfall im Frühjahr und zeigte Verständnis. Ich bekam immer die Möglichkeit im Windschatten zu fahren, was meine bescheidenen Kräfte wirklich schonte. Nach etwa 15 Minuten merkte ich das wir Anchorage schon hinter uns gelassen hatten, was ich nicht so toll fand, schließlich hatte ich von der Stadt rein gar nichts gesehen, außer dem Airport und Zeltplatz. Ich sagte erst mal nichts, doch meine Gedanken dazu hatte ich schon.

Da wir den ersten Tag wirklich sehr ruhig angehen lassen wollten, kehrten wir nach ca. einer Stunde Fahrzeit in eine Lodge ein um einen Kaffee zu trinken und etwas zu essen. Dort erkundigten wir uns auch welche Strecke nach Fairbanks führte. Auf diese Frage schaute man uns erstaunt an und erzählte uns das es keine gute Idee wäre mit dem Rad diese Strecke zu nehmen. Der Winter war ungewöhnlich lang und dadurch war der Highway teilweise noch schneebedeckt. Doch nicht nur dies sagte man uns sei ein Problem, schlimmer seien die Bären, die aus den Bergen runter kommen weil sie dort durch die Schneemassen nichts zu fressen finden würden. Diese seien dadurch recht aggressiv und es bestünde die berechtigte Gefahr von diesen angegriffen zu werden. Schließlich hätten die Bären durch die vielen Touristen jedes Jahr die natürliche Scheu gegenüber dem Menschen verloren. Nicht selten würden sie im Sommer auf der Straße stehen um nach fressbarem zu betteln und dadurch den Verkehr total zum erliegen bringen.

Nachdem wir dies erfahren hatten diskutierten wir einige Zeit wie wir weiter fahren sollten und entschieden uns dafür Fairbanks aus zu lassen. Uns war das Risiko einfach zu hoch, auch wenn Chris nicht glücklich mit der Entscheidung war. Wir würden ab Palmer den Highway No1 in Richtung Glennallen nehmen und nicht den No.3 nach Fairbanks. Wir fuhren weiter, und plötzlich fing Chris an schneller zu werden. Dazu bestand überhaupt kein Grund, ganz im Gegenteil. Dadurch das wir nicht über Fairbanks fahren konnten, hatten wir etwa sieben Tage mehr für die gesamte Tour, da wir gute 700km weniger fahren würden, wie nach unserer Planung.

Ich unterhielt mich mit Paul und ließ mir auch hier, wie schon in Anchorage nichts von meinen Gedanken anmerken. Doch fing ich schon jetzt an darüber nach zu denken ob ich mit Christian die richtige Wahl als Reisepartner getroffen hatte. Paul wäre wohl der bessere Reisepartner, nicht nur weil ich mich besser mit ihm verstand, auch weil er mehr Rücksicht nahm und seine Einstellung stimmte. Dies waren jedenfalls die Gedanken die ich hatte.

 

Erste Panne von Paul

Schon nach wenigen Kilometern hatte Paul seinen ersten Platten. Chris machte sich sofort ans Werk und flickte den defekten Schlauch. Dies sollte nicht die letzte Panne sein die Paul innerhalb der ersten Tage hatte. Wie sich später herausstellte hatte er einen scharfen Grad innen in der Felge und das Schutzband verrutschte ständig, so das fast immer genau die gleiche Stelle betroffen war.

Das hintere Bike ist meins. Es ist gut zu erkennen das ich zu den Packtaschen hinten noch Zwei vorn dran habe. Heute würde ich mir diese sparen. Nicht die Menge an Ausrüstung ist wichtig, auf Qualität und Funktionalität kommt es an. Von den ca. 40kg Gepäck die ich bei hatte, wären 15kg vollkommen ausreichend gewesen. Wie heißt es so schön: Hinterher ist man immer schlauer!

 

Die Streckenführung war nicht sonderlich anspruchsvoll, meist ging es ohne Steigungen und wenn mal eine kam, biss ich die Zähne zusammen und kämpfte mich hoch. Zwar kam ich immer als letzter am Ende der Strecke an doch das störte mich nicht. Vielmehr machte ich mir Gedanken über Chris, der seit Palmer nicht mehr mit mir gesprochen hatte, und über mich selbst. Seit der zweiten oder dritten Steigung hatte ich schmerzen im Knie und meine rechte Hand wurde teilweise Taub. Hatte ich mir zuviel zugetraut? Klar war mir nur das die Taubheit sicherlich mit dem Ellbogen zu tun hatte und mein linkes Knie nach einem Skiunfall nie wieder vollkommen ok wurde. Musste ich hier und jetzt schon den Preis für meine Leichtfertigkeit aus der Vergangenheit zahlen? Gleich am ersten Tag meines Traums? Nein, das wollte ich nicht wahr haben, ich würde die Sache zu Ende bringen, koste es was es wolle.

Straßen ohne Ende

Es ist schon ein sehr gewohnheits- bedürftiger Anblick, Straßen zu sehen die scheinbar kein Ende nehmen. Immer weiter gerade aus. Es kommt einfach keine Kurve. Solche Straßen sah ich wirklich viele, besonders auf Hochplateaus von Kanada und Alaska gab es sie immer wieder.

Nach fast genau sieben Stunden erreichten wir Suton, einem kleinen Nest mitten in der Wildnis. Hier blieben wir die Nacht, in einem kleinen Waldstück etwas außerhalb vom Ort. Wir bauten unsere Zelte auf, Paul seines und Chris und ich unseres, machten ein Lagerfeuer und etwas zu essen. Nachdem wir Geschirr in einem kleinen Bach, der unweit vom Zeltplatz war, abgewaschen hatten, verabschiedete ich mich ins Zelt, rollte mich in meinen Schlafsack und war sofort weg. Ich war dermaßen platt, ich hätte im stehen einschlafen können und mein Hintern tat sein übriges dazu. Schon nach drei oder vier Stunden während der Fahrt merkte ich das er mir weh tat.

War ja auch kein Wunder, hatte ich doch meinen Sattel nicht ordentlich eingefahren und überhaupt kein Sitzfleisch entwickelt.  Meine ersten Eindrücke die ich an diesem Tag von diesem Land bekommen hatte, waren so überwältigend, das ich selbst heute, viele Jahre später immer noch daran denken muss. Die Hilfsbereitschaft der Menschen, mehrfach hielten Autos einfach so an um zu fragen ob wir Hilfe brauchen würden. Dabei waren wir einfach an einer Stelle stehen geblieben die uns gut gefiel um Fotos zu machen oder einfach nur um diese in uns auf zu nehmen. Diese endlose Weite und die Einsamkeit wenn man von der Straße in die Ferne blickte. Für mich war dies einfach nur berauschend. Ich hatte mich vom ersten Tag an in Alaska und Kanada verliebt und diese Liebe besteht heute noch.


 

 

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