Alaska / Kanada Traumurlaub Tag 12&13

Von Spirit Lake nach Skagway, (Kanada - Alaska) 133km/6,75Std

09/10.07.1994


Tag 1: Anchorage - Suton

Tag 2: Suton - Eureka Lodge

Tag 3: Eureka Lodge - Gakoma Lodge

Tag 4: Gakoma Lodge - Mentasta Lake

Tag 5: Mentasta Lake - Tok

Tag 6: Tok - Beaver Creek

Tag 7: Beaver Creek - Withe River

Tag 8: Withe River - Destruction Bay

Tag 9:  Destruction Bay - Haines J.

Tag 10: Haines Junction - Withehorse

Tag 11: Withehorse - Spirit Lake

 

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Ausrüstung

Tag 12+13: Spirit Lake - Skagway

Tag 14: Skagway

Tag 15: Skagway + Fähre

Tag 16: Fähre

Tag 17: Fähre - Bellingham

Tag 18: Surrey - Vancouver

Tag 19: Vancouver

Tag 20: Vancouver

Tag 21: Vancouver

Tag 22: Frankfurt - Mainz

Tag 23: Mainz - Köln

 

  


09.07

Es war noch ziemlich früh als ich aufstand, doch weil ich den Tag zuvor nur eine kurze Strecke gefahren bin und wußte das es heute noch einmal richtig Weit sein würde wollte ich nicht zu spät los. Schließlich kannte ich ja mal wieder nicht das Profil des Weges. Mit diesen Gedanken ging ich zum See und wusch mich. Das Wasser war Kristall klar und eiskalt, so wie bei eigentlich allen Seen die ich unterwegs gesehen hatte. Danach machte ich mir mein Frühstück, das an diesem Morgen aus Müsli mit Bananen und Milch bestand und dazu natürlich Kaffee. Ohne diese braune, heiße Brühe geht bei mir halt nichts.

Gegen neun Uhr schob ich mein Rad auf die Straße und startete den Tag. Der Weg war leicht abschüssig, so das ich mich die meiste Zeit einfach rollen ließ, wenn ich eine gewisse Geschwindigkeit erreicht hatte. Dies ging über fast 30km so. Nur einmal hielt ich während dieser ruhigen und gemütlichen Fahrt an. Das war bei Carcross Dessert.

Erst traute ich meinen Augen nicht, doch dann merkte ich das es Wirklichkeit war. Ich stand direkt vor einer Wüste, quasi am Eingang in eine andere Welt, die ich hier so nie erwartet hätte. Ich stellte das Bike ab und ging ein Stück hinein, in diese Welt, die hier überhaupt nicht hingehörte. Wie konnte es sein das ich in einer Sandwüste stehe, dachte ich mir. Die Antwort fand ich auf einem Info Schild. Ich lass es und nachdem ich es mir übersetzt hatte verstand   ich es. Entschlossen packte ich mir etwas zu essen aus und machte eine Pause.

 

Carcross Dessert

Entstanden an einer Stelle die einst von einem Gletscher bedeckt war. Sie gilt als die kleinste Wüste der Welt und das in Kanada.  Aus den Geröllmassen die der Gletscher freigab und durch den Wind der ständig vom Lake Bennett weht entstand der Sand. Hier gibt es eine einmalige Vegetation, wie z.B. Lodgepole Pine und Kinnikinnick, was immer das auch ist.

Doch wie dem auch sei, Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen wie erstaunt ich war, als diese Wüste in Kanada vor mir auftauchte.

 

Ich genoss den Anblick, saugte ihn regelrecht auf, ohne auch nur zu ahnen das es an diesem Tag noch schöner werden sollte. Nach ungefähr einer Stunde machte ich mich wieder auf den Weg. Kurz darauf erreichte ich an einem See gelegen Carcross, dem letztem Ort vor der Kanada - Alaska Grenze . Hier ging

Carcross

Wenige Kilometer nach Carcross Dessert erreichte ich den Ort Carcross. Dieser bestand aus eine Hand voll Häuser, einer Tankstelle, Souvenir Laden und einem Restaurant mit angeschlossenem Store, wo man das Nötigste zum Leben kaufen konnte. Also wirklich nichts berauschendes. Doch auf seine Art hatte diese Ansammlung von Gebäuden seinen eigenen Charme.

ich in den vorhandenen Store und deckte mich mit Lebensmittel und Getränke ein. Schließlich wusste ich nicht ob ich noch am gleichen Tag in Skagway ankommen würde und hungern wollte ich nicht, zumal es meiner Leistung beim fahren auch nicht so gut getan hätte. Ich hatte noch gute 80km vor mir, hatte aber keine Ahnung wie diese verlaufen würden.

Kurz darauf verließ ich den Ort wieder in Richtung westen, zum Meer hin. Kaum hatte ich die Biegung (im Bild links, dunkler Berg) hinter mir gelassen schlug mir ein unangenehmer Wind entgegen. Sofort merkte ich der Luftwiderstand und wie anstrengend das Treten der Pedale wurde. Ich schaffte es nicht mehr schneller als 15km/h zu fahren und meine Kondition wurde gefordert. Um so näher ich zum großen Wasser kam, um so stärker wurde der Gegenwind. Zeitweise ging fast gar nichts mehr und ich wurde richtiggehend sauer. Diese Situation erinnerte mich an die Eureka Hochebene und die letzten Kilometer nach Whitehorse. Dort war es sehr Flach aber daher auch sehr windig.

 

Hier war es von der Strecke allerdings anders. Rechts und Links von mir stiegen Berge auf, die gesamte Strecke bis nach Skagway, am Meer. Diese waren wie ein großer Kamin, der den Wind ins Landesinnere trieb. So kämpfte ich gegen die Naturgewalt an. Meter um Meter rang ich der Entfernung ab, wissend das mit jede Kurbelumdrehung meinem Ziel näher brachte.

Belohnt wurde ich dann auch noch. Nach einer rechts Kurve öffnete sich der Talkessel und ein riesiger See erschien. Eingerahmt von den Bergen, die sich an den Ufern in die Höhe schraubten, ließ mich der Anblick anhalten. Türkis farbendes Wasser, Berge auf denen noch etwas Schnee lag, weiße Quellwolken die sich mit blauen Himmel abwechselten und dann mitten in diesem See eine Insel. Bove Island ist ihr Name. Auf dem Bild ist ungefähr zu erkennen wie groß dieser See ist. Auf der Info Tafel im hellen Bereich, darin die dunklen Flecken, das ist die Form vom See. Ich musste wirklich die Luft anhalten, so fasziniert war ich von diesem Anblick. Für mich war es einfach der perfekte Platz. Wenn ich mir heute das Bild ansehe und das tue ich sehr häufig (habe es vergrößern lassen und hängt seit Jahren in der Wohnung), kommen immer die gleichen Empfindungen in mir hoch wie vor vielen Jahren, als ich dieses Bild per Selbstauslöser machte. Ich habe mich in dieses Stückchen Erde regelrecht verliebt. Nie wieder hatte ich solche Gedanken und Empfindungen wie dort.

Ich blieb dort, schlug mein Zelt auf und saß einfach da. Meine Gedanken im Nirgendwo, schaute ich über das Wasser. Mein ganzes Leben lief an mir vorbei, ich überlegte wie es weiter gehen würde wenn ich wieder zu Hause sei, ob sich etwas ändern würde.

 

Bove Island

Für mich ist Bove Island eine der schönsten Flecken die ich je sah. Bove Island liegt auf einem Hochplateau hinter Carcross, kurz bevor die rasante Abfahrt von 1100 Höhenmeter nach Sagway auf Null Meter beginnt.

 

Bis tief in die Nacht saß ich am Seeufer, einem der schönsten Orte von Kanada die ich sah und beobachtete die Sterne, lauschte den Geräuschen der Wildnis und malte mir aus wie es wohl sein würde auf dieser Insel zu Leben. Eine kleine Hütte mit Kamin, so das es im kalten Winter schön mollig warm ist, ein Kajak um ans Festland zu kommen und all solche Dinge. Ich träumte vor mich hin und schlief darüber ein.

Mir war kalt, nur deshalb wurde ich mitten in der Nacht wach. Ich suchte kurz nach Orientierung, schaute in den glücklich Nachthimmel und ging dann ins Zelt, rollte mich in den Schlafsack und dachte wieder über diese grandiose Natur in Kanada und Alaska nach, dann schlief ich erneut ein.

Gute Nacht du schönes traumhaftes Land. Bleib wie du bist. Ich träumte von dieser Insel, von diesem Land, das werde ich nie vergessen.


10.07

Vom Yukon

Nun verlasse ich Kanada

 Nach Alaska

Google

Als ich wach wurde und aus meiner Hundehütte kroch, war das erste was ich sah eine Hand voll Menschen, die scheinbar genauso begeistert von diesem Ort waren wie ich. Sie schossen Bilder, zeigten mit den Fingern auf diese und jene Stelle und sprachen alle durcheinander. Als sie mich sahen kamen sie auf mich zu und überschütteten mich mit Fragen. Da dies ja nicht Neues für mich war und mir die Rolle als Abenteurer auch ganz gut gefiel, beantwortete ich diese soweit ich es konnte, Ihr erinnert Euch, mein Englisch war damals wirklich nicht das Beste, so das es mir nicht immer einfach viel die richtigen Worte zu finden.

So fuhr ich vielleicht eine Stunde später wieder gen Westen, auf Skagway zu und zum Meer. Trotz des starken Gegenwind, schlimmer als am Vortag, kam ich gut voran. Diesen Umstand hatte ich einzig und allein der Tatsache zu verdanken das es nun stetig bergab ging. Doch plötzlich traute ich meinen Augen nicht. Vor mir kippte die Strasse regelrecht nach Unten weg. Es lag ein Gefälle von sage und schreibe 21% vor mir und wenn ich links neben die Straße Richtung Tal schaute, konnte ich erkennen das dies nicht nur auf ein paar Metern so ist, es sah vielmehr danach aus als ob der Rest der Strecke so weiter gehen würde. Mir blieb nichts anderes über als da runter. Ein bisschen mulmig war mir schon dabei.

Nachdem ich die ersten Meter sehr vorsichtig anging, wurde ich immer mutiger. Immer schneller war ich unterwegs, doch dann sah ich diesen Wasserfall den ich auf alle Fälle fotografieren wollte. Ich schaffte es gerade an zu halten.

 

Der letzte Wasserfall auf meiner Strecke

 

Diese Aufnahme machte ich auf dem letzten Stück nach Skagway. Bei meiner rasanten Abfahrt in Richtung Meer, nahe der Grenze von Kanada und Alaska (USA).

Fast hätte ich dieses Bild nicht machen können, meine Bremsen waren total überfordert und hier mußte ich wirklich voll in die Eisen gehen, sonst wäre ich daran vorbei gewesen.

Immer Runter

Es ist nicht wirklich zu erkennen wie steil es war. Doch hier bekommt man einen wagen Eindruck davon. Es ist schwierig ein Gefälle auf dem Foto fest zu halten. Dies ist die Stelle als ich die Grenze Kanada-Alaska passierte.

  Nachdem ich meine Bilder gemacht hatte fuhr ich weiter. Mit rasendem Tempo ging es den Berg hinab. Mein Tacho den ich später auswertete, (während der Talfahrt hatte  ich kein Auge dafür), zeigte eine Speed von 75km/h an. Es war sehr mühsam die richtige Spur zu finden, schlängelte sich die Straße durch die Schlucht, so das man oft keine zwanzig Meter weit  die Strecke erkennen konnte. Und so kam wie es kommen musste. Mitten in der Talfahrt tauchte hinter einer Kurve eine Hütte am Wegrand auf und einige Meter weiter ein Schlagbaum, der zum Glück geöffnet war. So gut ich konnte griff ich in die Bremsen, vor dem Schlagbaum zum stehen zu kommen schaffte ich aber nicht mehr. Aus den Augenwinkeln konnte ich gerade noch erkennen wie jemand   aus der Hütte kam und auch noch ein Schild auf dem irgendetwas mit "Border" stand. Scheiße, dachte ich. Hier ist die Grenze von Kanada und Alaska. Wenn das mal kein Ärger gibt. Nachdem ich das Rad zum stehen bekommen hatte , stieg ich ab und schob es bestimmt fünfzig Meter den Berg hinauf zur Grenzstation, wo mich der Grenzer auch schon mit einem Grinsen im Gesicht erwartete. Ich entschuldigte mich, doch der kanadische Zöllner lachte nur und meinte es sei schon in Ordnung. So konnte ich dann die restliche Abfahrt begehen, nun aber immer darauf bedacht rechtzeitig anhalten zu können, falls wieder ein unerwartetes Hindernis auftauchen sollte.

Zwanzig Minuten Stunde später erreichte ich Skagway, das Tor nach Kanada und Alaska!

 

Dies war wohl die schönste Strecke die ich auf meiner Tour gefahren bin.


 

 

Skagway

Skagway ist eine ehemalige Goldgräberstadt in Alaska USA). Sie wurde 1897 vom Dampfschiffkapitän William Moore gegründet.

Skagway, am Taiya Inlet (einem Seitenarm des Lynn Canal) gelegen, ist der Endpunkt der Alaska Inside Passage sowie der Eisenbahnverbindung von Whitehorse über den White Pass. Die Stadt ist neben Haines der einzige am Landweg erreichbare Ort des Alaska Panhandle und Verwaltungssitz des Skagway-Hoonah-Angoon Census Area.

Skagway war für die Goldgräber beim großen Goldrausch von Alaska im Jahre 1898 ein wichtiger Stützpunkt und Ausgangspunkt für die Routen über White und Chilkoot Pass. Heute hat der Ort etwa 850 Einwohner. Im Ort ist die Legende von Soapy Smith noch immer lebendig.

 

 

Broadway Avenue, Skagway

Chilkoot-Trail


Chilkoot-Trail

 

 


Die Legende um Soapy Smith

Soapy Smith (1860-1898)

Jefferson Randolph Smith (* 1860 in Georgia; † 8. Juli 1898 in Skagway, Alaska), genannt Soapy Smith, war ein amerikanischer Geschäftsmann.

Wohlstand und seinen Spitznamen erlangte Smith in Denver, Colorado, durch den Verkauf von Seifenstücken, von denen sich in einem Stück angeblich ein versteckter 100-Dollar-Schein befände. Nach einer missglückten Wahlmanipulation wurde er aus der Stadt vertrieben.

Im August 1897 ging Smith von den Silberfeldern bei Creede in Colorado nach Skagway in Alaska, gelegen am Fuße des berüchtigten White Pass. Während die meisten Männer in den kalten Flüssen nach Gold suchen, betrieb Soapy Smith dort ein Telegraphenamt, die einzige Verbindung mit der Außenwelt und den Verwandten der Goldsucher. Ein Telegramm kostete 5 Dollar. Das Geschäft kam zum Erliegen, als jemand herausfand, dass das Kabel nach Seattle nach wenigen hundert Metern im Schnee endete.

Zum Kummer der Bürger hielten Soapy Smith und seine Revolverhelden die Stadt Skagway nach wie vor fest in Händen. Am 8. Juli 1898 stellte sich ihm der Landvermesser Frank H. Reid bei den Docks entgegen. Smith schoss auf Reid mit einer Winchester, Reid schoss mit seiner Smith & Wesson zurück. Soapy Smith wurde ins Herz getroffen und starb noch auf der Stelle. Frank Reid verstarb am 20. Juli an seinen Schussverletzungen, einer von einer Kugel zerschmetterten Hüfte.

Beide Gräber sind heute noch im Gold Rush Cemetery von Skagway zu finden. Das Grab von Frank H. Reid stellt dabei den "Höhepunkt" des historischen Friedhofs dar (heutzutage würde man es Ehrenmal titulieren), man merkt deutlich wie dankbar die damaligen Bewohner waren, von Soapy Smith befreit worden zu sein. Das Grab des letztgenannten befindet sich ziemlich unscheinbar, ganz rechts am Rand wenn man von unten auf den Friedhof zu läuft.


 

 
 
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